Das Schweigen um Glozel




Liebe Leser meiner Seite,

ich möchte Ihnen heute ein Thema näher bringen, dass im deutschsprachigem Raum wohl bekannt ist, aber es gibt leider kaum vernünftige Informationen in Deutsch, so das ich im letzten Jahr damit beschäftigt war, diesem Mysterium einmal auf den Grund zu gehen.

Nicht zu Letzt aus einem persönlichem Interesse heraus, habe ich also  intensiv zu diesem faszinierendem Thema recherchiert, das französische Internet nach Informationen durchsucht, französische Bibliotheken durchforstet und eine umfangreiche Korrespondenz mit französischen Forschern gepflegt, die mir sehr weiter geholfen hat.

Vielen Dank an dieser Stelle an all die vielen Damen und Herren, die mir hier behilflich waren.

Viel Vergnügen beim "stöbern" wünscht Ihnen herzlichst

Ihr

Matthias Härtel

P.S. Ob ein Buch daraus wird?

Schaun wir mal, wie die Leserreaktionen ausfallen!

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Kleine Einführung in die Thematik „Glozel“

Die Funde von Glozel und ihre näheren Umstände, bezeichnet man auch gerne als die "Affäre  Dreyfus der Archäologie" die in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts für sehr viel Aufsehen in Frankreich sorgte und Frankreich in zwei Lager spaltete, ging es doch wie in besagter Affäre Dreyfus um Schuld, oder Unschuld eines ehrenwerten Bürgers. Für diejenigen Leser die besagte Affäre nicht kennen, hier eine kurze Zusammenfassung:

Als Dreyfus-Affäre wurde der Fall des aus dem Elsass stammenden jüdischen Artilleriehauptmanns im französischen Generalstab Alfred Dreyfus (1859–1935) bekannt, der in der III. Französischen Republik Ende des 19. Jahrhunderts wegen angeblichen Landesverrats zu lebenslanger Verbannung und Haft verurteilt wurde. Die heftigen Debatten um seine Schuld oder Unschuld hatten weitreichende Auswirkungen auf die französische Innenpolitik und polarisierten mehrere Jahre lang die gesamte Gesellschaft und die junge französische Republik. Dreyfus wurde letztendlich nach einem langen und unermüdlichen Kampf 1906 freigesprochen. Er wurde wieder in die Armee aufgenommen, zum Major befördert und darüber hinaus zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Kaum hatten die Franzosen also diese Affäre überwunden, kam bereits die nächste, in Form der Funde von Glozel daher und wie wir noch sehen werden, wird das Ende Parallelen zu Dreyfus aufzeigen.

Aber bleiben wir beim Anfang.

Glozel stört auch heute noch die wissenschaftlichen Kreise und es verwundert daher nicht, dass bis heute – leider erfolgreich - versucht wird, dass Schweigen um Glozel zu bewahren.
Am 1. März 1924 gelang in Glozel, etwa 20 Kilometer von Vichy entfernt, dem damals 17 jährigen Bauernsohn Emile Fradin das, wovon jeder Archäologe sein Leben lang, meist vergeblich, träumt. Einen außergewöhnlicher Archäologischer Fund auf einem Feld, das von Alters her als „ Champ des Morts“, übersetzt in etwa als „Das Totenfeld“ bezeichnet wurde.

Die sensationellen Funde von Glozel stellten plötzlich den Ursprung der Schrift – der von den Archäologen immer im mittleren Orient, also im alten Phönizien gesehen wurde – derart in Frage, das darüber in wissenschaftlichen Kreisen sofort eine heftige Kontroverse ausbrach, ob es tatsächlich möglich sein könnte, das die Schrift in Europa erfunden wurde?

An einem geheimen und wohl ehemals heiligen Ort wurden Schriften deponiert, die bis zum heutigen Tag kein Mensch entziffern konnte.

Und die Entdeckung dieses Geheimnisses verdanken wir Emile Fradin.

Er sagt selbst:

„ Ich kann mich erinnern, so als wäre es heute. Ich war gerade einmal 17 Jahre alt und es war im Jahr 1924, als ich mit meinem Großvater auf dem Feld arbeitete und ich war es, der den Pflug führte, als die Kuh die den Pflug zog, plötzlich mit dem rechten Hinterhuf in den Boden einbrach. Wäre das nicht passiert, wir hätten die Fundstätte niemals entdeckt.

Ja, es ist wirklich die Kuh die Glozel entdeckt hat und nicht wir.

Wir waren sehr überrascht, als wir in dem Loch als erstes menschliche Knochen entdeckten und fanden vor allem einen alten menschlichen Schädel, mit dem ich sofort nach Hause lief. Meine Großmutter schrie wie eine Verrückte, als ich mit dem Schädel in der Hand zu Hause eintraf. Sie sagte sofort, das dafür im Haus kein Platz wäre und schickte mich wieder nach draußen. Meine Großmutter war nämlich sehr gläubig.

Ich hingegen war gerade einmal 17 Jahre alt und hatte noch nie gehört, dass es überhaupt so etwas wie eine Archäologische Grabung gibt. Meine erste Grabung vor Ort machte ich mit einer Schaufel und einer Hacke und ich hoffte einen Schatz zu finden, wäre aber nie auf die Idee gekommen, wie wichtig meine Entdeckung für die Menschheit wirklich war.

Als erstes fanden wir zwei Vasen, die vollständig erhalten waren. Wir haben sie zerschlagen. Wir suchten in den Scherben, aber Schmuck fanden wir niemals.
Was uns interessierte war Geld, aber da wir nichts fanden, schütteten wir das Loch wieder zu.“

Soweit also Emile Fradin in einem Interview.

Natürlich ließen Fradin seine ersten Funde keine Ruhe, so das er alsbald wieder anfängt zu Graben und in der Folge erste spektakuläre Artefakte zu Tage förderte, die in seiner persönlichen Umgebung bares Erstaunen hervorrufen.

Und wie es in einer ländlichen Gegend nun mal immer so ist, verbreitete sich sehr schnell die Kunde der ungewöhnlichen Funde von Glozel, so das der Mediziner Dr. Morlet, der in Vichy eine Parxis besitzt, alsbald davon erfährt. Ein Glücksfall für Fradin, wie sich noch zeigen wird, denn Morlet, der sich sehr für die Archäologie interessierte, zögert nicht lange, nimmt 1925 Kontakt zu Fraudin auf und fährt alsbald mit seiner Frau nach Glozel, um vor Ort erste Grabungen vorzunehmen. Morlet findet sehr schnell die ersten Artefakte und er war von dem Geheimnis von Glozel derart fasziniert, dass es ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen würde.

Fradin berichtet:

„Wir hielten schriftlich fest, das Morlet die Rechte für alle nötigen Publikationen erhält und alle gefunden Objekte in meinem Eigentum verbleiben. Weiterhin hielten wir fest, das mir Morlet für freien Zugang zu meinem Feld in Glozel, jährlich 200 Francs zahlt und er alle weiterhin anfallenden Kosten trägt. Er ( Morlet) war ein wunderbarer Mann. Er hat über einen Zeitraum von 16 Jahren unermüdlich gegraben.“

Dr. Morlet übernimmt alle anfallenden Kosten, veröffentlicht zudem ständig Berichte über die Grabungen und entdeckt zusammen mit Fradin über den Zeitraum von 16 Jahren hinweg, mehr als 3.000 Artefakte in Glozel. Es werden Knochenfragmente mit Zeichnungen, Scherben aus Ton und vor allem eigenartige Tontafeln gefunden, die mit einer fremdartigen Schrift bedeckt sind. Das mysteriöse an diesen Tafeln ist die eingravierte Schrift, Zeichen die einstmals in Tontafeln von Menschen verewigt wurden und die bis heute nicht entschlüsselt werden können.

Es dauerte nicht lange, bis Morlet und Fradin auf die Idee kamen, ein Museum einzurichten, um ihre Artefakte einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Bestärkt wurden sie durch den Besuch von Joseph Loth, Mitglied des Collège de France und dessen Mitarbeiters Henri Breuil im Oktober 1926, die nach einer Suche vor Ort den Gedanken eines Museums nochmals forcierten.

Nur wo?

Nach langem Hin und Her beschlossen man kurzerhand das Museum einfach im Haus von Claude Fradin [ 1857 – 1938 ], dem Großvater von Emile Fradin, zu installieren und so dauerte es nicht lange, bis die ersten Vitrinen standen und das kleine Museum Form an nahm. 







Durch die, wieder einmal, selbstlose finanzielle Hilfe Morlets konnte das Museum sehr schnell fertig gestellt werden. 






In einem einzigen Raum waren für eine kurze Zeit fast alle gefunden Artefakte liebevoll präsentiert.






Zu guter Letzt wurde 1929, nach den zwei „lautesten“ Jahren in der Affäre Glozel ( hierzu später mehr) der nördliche Korridor des Hauses ebenfalls für das Museum vereinnahmt und das Museum so in den Zustand gebracht, indem es sich noch heute befindet. Es ist daher absolut empfehlenswert, dem Museum einen Besuch abzustatten, denn schon die wunderbare „alte“ Atmosphäre der Räumlichkeiten, entschädigt für die beschwerliche Anreise.

Adresse:

Musee du Glozel

03250 FERRIERES-SUR-SICHON
Öffnungszeiten 2009

Das Museum ist Nachmittags geöffnet

Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag

von 13 Uhr 30 bis 17 Uhr 30






Nachdem das Museum also halbwegs fertig war, sprach es sich sehr schnell herum, dass die sensationellen Funde von Fradin / Morlet nun auch besichtigt werden könnten und so wurde das Museum innerhalb kürzester Zeit zu einem beliebten Ausflugsort der vermögenden Bürger der nahen Großstadt Vichy. Aber dabei blieb es nicht, denn desto mehr der Bekanntheitsgrad von Glozel stieg, desto illustrer wurden auch die Besucher.

So besuchte zum Beispiel bereits am 18 August 1926 der rumänische König Ferdinand der Erste [ 1865 – 1927 ] das Museum und zeigte sich sehr interessiert.

Fradin erinnert sich:

„Also eines Tages bekamen wir die Nachricht, dass uns der König von Rumänien noch am selben Abend besuchen würde und wir fragten uns, wie wir den hohen Gast wohl empfangen sollten?
Und dann war er plötzlich da und wir wussten nicht, wie wir uns mit ihm unterhalten sollten, denn er sprach ständig in der dritten Person, aber wir machten uns umsonst Sorgen, da der König sehr charmant war und uns dieser Besuch als unvergesslich in Erinnerung bleiben wird.“

Glozel wurde nach diesem Besuch des rumänischen Königs schnell zu einem wahrem Mekka für den sensationshaschenden Geldadel Europas und alsbald wimmelte es förmlich von Botschaftern, Prinzen, Millionären, Abenteurern und Journalisten aller Art.

Fradin:

Es ging zu wie in einem Bienenkorb, selbst Moslems waren anwesend und viele sprachen nicht einmal französisch, aber alle diese Menschen waren sehr interessiert an meinen Funden.“

Am 28 Mai 1928 erschien, auf Empfehlung eines Wissenschaftlers der Universität von Lyon, kein geringerer, als der damalige französische Minister für Bildung und Kunst, Edouard Herriot [ 1872 – 1954 ] zu einem rein privaten Besuch, bei dem er das Museum und auch den Fundort inspizierte.

Glozel steht seitdem für die Frage:

Wann wurde ein Zeichen – als Ursprung für die Schrift – das erste Mal „niedergeschrieben“?

Es war Doktor Morlet der diese Problem das erste Mal formulierte und damit das größte Mysterium Frankreichs begründete, dass wohl noch mehrere Generationen von Forschern beschäftigen wird, da es bis heute nicht geklärt werden konnte.

Der junge Fradin hatte also ein bewegtes Leben und es sollte noch sehr viel dramatischer werden, denn im Jahr 1928 brach plötzlich die Hölle los.

Was war geschehen?

Ein Wissenschaftler teilte mit, dass die Schrift der Tafeln von Glozel von ihm auf die Zeit von 700 v.C. datiert wurde. Morlet konterte umgehend und behauptete, das die Schrift seiner Meinung nach 5000 – 6000 v.C. erstmals niedergeschrieben wurde. Da die beiden Ergebnisse so unterschiedlich waren, lösten sie unter den Wissenschaftlern einen heftigen Streit aus, der als „Der Kampf der Gelehrten“ in die wissenschaftliche Geschichte Frankreichs einging.

Es formierten sich, namentlich in Paris, Glozel – Gegner und Glozel – Befürworter.

Die wissenschaftliche Gemeinde war in zwei Lager gespalten. Die Affäre Glozel bekam nun plötzlich eine derartige Eigendynamik, dass sie bald in den Boulevardzeitungen jener Zeit als
„Die Affäre Dreyfus der Archäologie“ bezeichnet wurde.

Und es kam, wie es kommen musste, da es nicht lange dauerte, dass der bis dahin unbescholtene Emile Fradin als Lügner und Fälscher in den einschlägigen Zeitungen niedergemacht wurde.
Ein unglaublicher Vorwurf, der wieder einmal sehr schön zeigt, dass Zeitungen in der Regel einfach alles schreiben, Hauptsache die Kasse stimmt. Mit ein bisschen Mathematik und logischem Nachdenken, wären die Schreiberlinge nämlich sicher auch von selbst darauf gekommen, dass der damals 22 jährige Fradin, selbst wenn er es gewollt hätte, tausende von Artefakte niemals hätte fälschen können, es sei denn er hätte als Baby bereits damit angefangen und dann an jeden Werkstag, mindestens ein Stück gefertigt. Wie bereits gesagt, einfach unglaublich, wie dumm Journalisten in der Regel sein können.

Aber sehen wir was weiter passierte.

Nun wird man sich nicht wundern, das nach den von mir oben vorgebrachten Gedanken, folgendes geschah, denn die Société préhistorique Française erstattete Anzeige gegen den jungen Fradin und stellte sich selbst damit das gleiche Armutszeugnis aus, wie vorher bereits die Journalisten.

Fradin erinnert sich:

„Es gab also eine Anzeige des Präsidenten der Société préhistorique Française, Félix Regnault,
der sich selbst das Museum am 24 Februar 1928 ansah und zu dem Schluss kam, das sich dort nichts als Fälschungen befanden. Er erstattete damals Anzeige gegen Unbekannt und der Unbekannte, das war ich.“

Am 25 Februar 1928 stürmte daraufhin die Polizei von Clermont Ferront das Museum von Fradin. Ihre Aufgabe war es, denn Raum zu finden, in dem Fradin seine Stücke fälschte.

Fradin:

„Das waren Verrückte, denn sie haben die Vitrinen, Schränke, Scheiben, einfach alles zerschlagen.
Ich bekam zwei Schläge, aber ich hätte niemals gesprochen. Sie packten wenigsten 200 Stücke ein, wobei auch die wertvollsten, also die Tontafeln waren und ich wusste nicht, was ich dagegen tun sollte?“

Es sei wohl angemerkt, das man die Fälscher Werkstatt natürlich nicht im Hause Fradins fand, denn für etwas was man nicht getan hat, benötigt man auch keine Werkstatt mit Fälscheruntensilien.

Im Juni 1929 war es schließlich soweit, das man Fradin aus seinem Haus heraus zu einem Verhör abholte.

Fradin:

„Ich war mir gleich sicher, das ich wohl über Nacht festgehalten werden würde. Man fragte mich immer wieder, wie ich wohl dieses oder jenes Stück hergestellt hätte? Ich antwortete, dass ich nichts hergestellt, sondern alles in Glozel gefunden hätte. Ich wurde immer wieder aufgefordert, endlich zu gestehen, aber ich sagte immer wieder, ich wüsste nicht, was ich denn gestehen soll? Alles was sie hier sehen, ist sehr alt. Et voila!
Es blieb ihnen nichts anderes übrig als mich wieder frei zu lassen, aber sicherlich, überwachten sie mich fortan, um zu sehen, ob ich nicht heimlich Objekte nach Glozel schaffen und dort vergraben würde.“

Gaston-Edmond Bayle, Chef der Pariser Justiz, examiniert die Artefakte, die bei Fradin sichergestellt wurden und befindet, dass es sich dabei um Fälschungen handelt. Einige Monate später, wird Bayle von einem gewissen Philipponet ermordet, der aber mit der Affäre Glozel nichts zu tun hat. ( unglaublich, aber absolut passend, wie ich finde) Durch den Mord kommt heraus, dass Bayle ganz offensichtlich ein Betrüger war, da er sich öffentlich als Doktor und Wissenschaftler ausgab, obwohl er in Wirklichkeit nur eine Anwartschaft auf einen Doktortitel besaß.
Anfangs hilft das Fradin nicht, denn er wird am 4 Juni 1929 wegen Betrugs, auf Grund des Rapports von Bayle verurteilt. Dieses Urteil wird allerdings bereits am 26 Juni 1931, auf Anweisung „von Oben“ , wieder aufgehoben und im Gegenzug, Dussard, der Fradin ja angezeigt hatte, im März 1932 wegen „übler Nachrede gegen Fradin“ rechtskräftig verurteilt.

Fradin wurde aber nicht ( noch nicht) rehabilitiert.

Danach sprach man für fast 40 Jahre nicht mehr von Glozel.

Dr.Morlet grub weiterhin fleißig in Glozel und Fradin kann endlich in Ruhe leben. Er heiratet und bekommt Kinder. Schließlich, im Jahr 1941, tritt ein neues Gesetz in Kraft, das alle Grabungen auf französischen Boden, ohne ausdrückliche Erlaubnis des französischen Staates, verbieten und unter Strafe stellen.

Dies bedeutet das Ende für die Ausgrabungen von Glozel für eine sehr lange Zeit.

Dr.Morlet kann nun keine Grabungen mehr vornehmen und das Mysterium von Glozel kann er somit nicht mehr entschlüsseln.

Fradin erinnert sich:

„Er starb 1966. Ich bin zu ihm gefahren, um ihn zu sehen, für ein letztes mal. Er sagte mir: Emile, ich werde niemals die Wahrheit über Glozel erfahren, ich werde den Sieg nicht mehr erleben.“

41 Jahre später, nach einem langem ersten Schweigen, kam in die Affäre Glozel 1972 wieder Bewegung, denn ein junger Ingenieur der Atomenergiebehörde, Henri Francois, besuchte Fradin in Glozel.
Sehr interessiert an den Artefakten von Glozel, nimmt er mit dem Einverständnis Fraudins, Proben von verschiedenen Objekten und verschickt diese an drei verschiedene ausländische Institute, die eine neue sehr präzise Methode zur Altersbestimmung anwenden:

Die Radiokohlenstoffdatierung, auch C 14 Methode genannt.

Der junge, begeisterte Ingenieur lässt es sich nicht nehmen, Fradin schriftlich über die Ergebnisse zu informieren und ihm gleichzeitig mitzuteilen, das nun endgültig und für alle Zeiten bewiesen ist, das Fradin kein Betrüger und auch kein Fälscher ist.

Für alle drei Laboratorien sind die Resultate klar und überzeugend.

Glozel ist alt, sehr alt!

Die Ergebnisse sind überraschend und sehr unterschiedlich.

Knochenfragmente ( graviert) sind zwischen 15 und 20.000 Jahre alt.
Objekte aus Ton 5.000 Jahre alt.
Die Tonplatten mindestens 2.500 Jahre alt.

Endlich schien etwas Licht in das Dunkel um Glozel gebracht zu sein, aber das Mysterium scheint auch diese Erklärungen zu überstehen, denn die Ergebnisse werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten.

Das Mysterium von Glozel blieb bestehen, denn vor allem die gravierten Knochenfragmente, die nach Meinung Morlets erste Schriftzeichen zeigten, waren mindestens 17.000 Jahre alt und somit viel zu alt, für die etablierte Lehrmeinung.

Fradin veröffentlicht erfreut die neusten Entwicklungen und als Folge dieser Ergebnisse, erkennt der französische Staat die Funde von Glozel in aller Öffentlichkeit als absolut echt an.
Fradin frohlockte und widmete den Sieg seinem gerade einmal 6 Jahren zuvor verstorbenem Freund Doktor Morlet.

Aber, auch wenn Glozel nun offiziell anerkannt war, so zweifelte die französische Forschung die Echtheit der Funde von Glozel immer noch an, denn es darf ja nicht sein, was nicht sein darf!

1983 schließlich wurden endlich in Glozel neue Grabungen gestattet und durchgeführt. Eigenartiger weise wurden diese Ausgrabungen aber nicht an der selben, ursprünglichen Fundstelle durchgeführt, sondern mehre Kilometer entfernt. Noch sehr viel eigenartiger ist jedoch, dass seit diesem Zeitpunkt die Ergebnisse dieser Grabungen niemals veröffentlicht wurden.

Warum dies wohl so sein musste, werden wir im weiteren Verlauf noch klären.

Seit 1983 herrscht wieder das Schweigen um Glozel, hat sich die mildtätige Decke des Vergessen über Glozel erstreckt, denn es ist doch so einfach, Fragen nicht beantworten zu müssen, wenn sie gar nicht mehr gestellt werden.

Emile Fradin erfreut sich noch immer bester Gesundheit ( 2009), hat alle seine Widersacher, aber leider auch alten Freunde, überlebt und blickt heute auf stolze 103 Lebensjahre zurück. Er kümmert sich nach wie vor liebevoll um sein Museum und wenn Sie bei einem Besuch großes Glück haben, so können Sie ihn vor Ort antreffen. Einmal danach befragt, ob er nie Angebote für seine Sammlung bekommen habe, antwortete er:

„Während des Krieges war es sehr schwer für uns. Es wurden mir, vor allem von reichen Amerikanern, unglaubliche Summen für meine Sammlung geboten und bei einem bestimmten Angebot, sagten meine Frau und meine Schwester zu mir, nun wäre ich wohl komplett verrückt geworden, das ich das Angebot nicht an nahm. Aber ich habe immer widerstanden. Ich gebe meine Sammlung nicht her, niemals, denn sie gehört der Menschheit und keiner Privatperson.“

Man kann Emile Fradin, diesem liebenswürdigem altem Herrn, für sein Handeln nur den höchsten Respekt zollen und sich für seine Umsicht nur herzlichst bedanken. Ich persönlich wünsche dem alten Herrn noch viele, viele Jahre bei hoffentlich weiterhin bester Gesundheit und vielleicht erleben wir ja, wie Emile Fradin eines Tages zu ältesten Menschen der Welt gekürt wird?

Das würde zu seiner Persönlichkeit passen und ich würde es mir auch von Herzen wünschen!

Der Biologe Remy Chauvin sagte einmal, zu Glozel befragte:

„Vor was hat man eigentlich Angst? Warum werden die Ergebnisse von 1983 nicht veröffentlicht?
Da die gefunden Artefakte nicht passen? Man hat Angst einigen Professoren zu widersprechen, man hat Angst Theorien zu demolieren, die heute aktuell sind. Aber, hören Sie, sind wissenschaftliche Theorien denn religiös?

Das Totenfeld von Glozel behält trotz aller Erforschung also seine Geheimnisse für sich.

Bis auf den heutigen Tag!

Emile Fradin erhält 1990 für sein Lebenswerk vom französischen Staat die zweit höchste Auszeichnung die Frankreich zu vergeben hat und wird somit endlich als Persönlichkeit vollkommen rehabilitiert:

Er erhält den Orden „des Palmes académiques“


Emil Fradin verstirbt am 10. Februar 2010







Eine sehr aufschlussreiche Podiumsdiskussion


Anlässlich einer in Frankreich sehr beliebten Sendung namens „Mystere“ im öffentlich rechtlichen Fernsehsender TF1 fand eine Podiumsdiskussion zum Thema Glozel im Jahr 1993 statt, die einen sehr aufschlussreiches Einblick in das Denkmuster der französischen Wissenschaftler gibt und dessen Inhalt ich deshalb hier wiedergeben möchte.

Als erstes teilte der Moderator dem Publikum mit, das Emile Fradin an der Diskussion leider nicht teilnehmen kann, da er plötzlich erkrankt ist und wünscht ihm, auch im Namen der Zuschauer, eine baldige Genesung. Und dann geht es gleich so richtig rund:

Er begrüßt Henri Delporte, der „Preperator des Museums de Saint Germain“ und außerdem der verantwortliche Inspekteur der Archäologie in Frankreich ist, der seinerseits sofort korrigiert
dass er sich aber bereits in Rente befindet. Diese Aussage nimmt der Moderator sichtlich verblüfft zur Kenntnis, da ihm, wie wohl auch dem Publikum, ersichtlich nicht ganz klar ist, warum Delporte dies extra erwähnt.

Weiter stellt er vor, Herrn Robert Arnaud, einen Kollegen, wie der Moderator sich ausdrückt, der als Journalist auch verschiedene Sendungen im Fernsehen moderiert.

Und zu guter Letzt den Historiker Robert Liris.

Die erste Frage wird an Delporte gestellt:

„Sie haben gesagt, wenn Glozel echt wäre, dann wäre das so, als wie wenn die alten Gallier das Fernsehen besäßen hätten! Können Sie uns erklären warum?“

Delporte antwortete:

„Emile Fradin findet mit 16 Jahren, wenn ich mich richtig erinnere, als kleiner Bauernsohn, der wahrscheinlich gar nicht weiß, das es eine prähistorische Zeit gibt, Objekte auf seinem Feld.
Ich mache immer einen Unterschied zwischen dem was ich weiß und dem was ich denke, ich denke nicht, dass Emile Fradin diese Objekte herstellen konnte. Sicher nicht. Aber damals kam Dr. Morlet hinzu und dieser Dr. Morlet hatte wohl schon einen Begriff davon, was prähistorische Objekte sind und es kommt noch dazu, das die Nähe der Großstadt Vichy alle möglichen Menschen massenhaft anzog. Das heißt, wir wissen nicht, ob es an der Fundstelle verschiedene Schichten gab, wir wissen nicht, welches Objekt lag neben welchem, lag ein bestimmtes Objekt über einem anderen?

Der Moderator unterbricht und stellt eine Zwischenfrage:

„Warum hat man also nicht über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten hinweg, eine geordnete und nach allen Regeln der Kunst gestaltete Grabung durchgeführt. Glauben Sie das hier jemand etwas dagegen gehabt hätte?“

Delporte ( nickt beschämt mit dem Kopf):

„Es war mein Fehler. Ja, es war mein Fehler.“

Moderator:

„Es lag also an Ihnen, die Genehmigung zu erteilen?“

Delporte:

„Ich war damals Prähistorischer Direktor von Verne und Herr Valro, der damals Kulturminister war, wünschte, unterstützt von einigen Politikern, dass die Grabungen in Glozel wieder aufgenommen werden. Und ich antwortete: Erstens, sind die Aktionen um Glozel noch sehr lebendig, als das wir akzeptieren könnten, die Grabungen zum jetzigen Zeitpunkt wieder aufzunehmen, denn wir müssten hierfür ein Regiment der Gebirgsjäger abstellen, um das Gelände abzuriegeln.

Aber auch zweitens, ich antwortete dem Minister, da die Objekte, die von Emile Fradin konserviert wurden, ja in ausreichender Anzahl vorhanden und entsprechend ausdrucksvoll sind, sollten wir damit fortfahren, mit den neuen Analysemethoden, die wir heute haben und die Fradin damals nicht hatte, diese Analysen nochmals durchzuführen.“

Der Moderator wirft ein:

„ Aber das ist doch wunderbar, was Sie da sagen, ich glaube damit wären wir alle einverstanden.“

Er wendet sich nun an die anderen anwesenden Herrn und meint:

„Was hält nun die Glozelfraktion von diesen Aussagen?“

Delporte wirft sofort ein:

„Aber ich bitte Sie, das sind doch sehr ehrenwerte Herrn.“

Robert Arnaud mischt sich nun ein und stellt klar:

„Es gibt keine überzeugten Glozilien, es gibt nur auf der einen Seite die offizielle Wissenschaft und auf der anderen Seite, aber ja entschuldigen Sie mein Herr ( er meint Delporte, der „ach“ gemacht hatte) Menschen, die, wie Sie übrigens selbst geschrieben haben, Herr Delporte, Menschen mit einer guten Seite sind und die nur die Wahrheit wissen wollen.

Ich selbst habe Glosel schon vor gut 40 Jahren kennen gelernt und ich hatte das Glück, das ich alle Personen kannte, die in der Geschichte benannt werden, auch Herrn Morlet. Ich bin somit, selbstverständlich von ganzen Herzen in die Affäre Glozel verstrickt. 


Ich bin kein Prähistoriker, ich habe nicht zu urteilen, sondern ich sage einfach, seit 1959 fordere ich die offiziellen Wissenschaftler dazu auf, endlich die Wahrheit zu Glozel zu sagen.


Es existiert seit nun gut 70 Jahren und entschuldigen Sie wenn ich das so sage, Herr Delporte und Sie damit schockiere, eine Art übergreifendes Schweigen, man soll nicht darüber sprechen, man soll nie mehr darüber sprechen. Warum?

Weil von Anfang an gewisse Autoritäten erklärt haben, da dies eine Affäre ist, die man als abgeschlossen betrachten soll. Aber das ist überhaupt nichts abgeschlossen. Ich persönlich sage Ihnen, es ist mir egal, ob nun Glozel zum Magdalenien gehört, es ist mir egal ob Glozel 12.000, oder 700 Jahre alt ist, es ist mir egal Herr Delporte. ( dieser nickt ständig mit dem Kopf) Ich sehe einen Mann, denn ich kannte, den ich immer noch kenne.

Ich kannte Dr. Morlet, ich kannte alle diese Menschen und ich kann Ihnen sagen, und ich bin auch fest davon überzeugt, es sind sehr ehrenwerte Menschen.“

Der Moderator wirft ein:

„ Aber das interessiert doch Herrn Delporte nicht“

Robert Arnaud wird nun leicht wütend:

„Wie das interessiert ihn nicht? Aber dieser Mann ( Morlet) wurde seit nunmehr fast 70 Jahren verfolgt und angegriffen“

Delporte unterbricht und wirft ein:

„Das bedaure ich sehr, ich bedaure es.“

Arnaud nun sichtlich genervt:

„Mein Herr, ich erlaube mir zu sagen, danke das Sie da sind, denn wenn es eine Sache ist, die mich verwundert, dann ist es die, das, sagen wir die Gegner von Glozel, die ich übrigens als Fachleute respektiere und mit denen ich zusammen gearbeitet habe, das also alle diese Kapazitäten niemals in Glozel erschienen sind, obwohl ich auf sie wartete.

Und wissen Sie, warum sie nicht gekommen sind?

Sie sind nicht gekommen, weil sie beschlossen haben, wir bringen diese Affäre nicht noch einmal auf den Teppich, denn diese Affäre ist abgeschlossen. Also schön. Aber für mich als Journalist, sage ich Ihnen, nein diese Affäre ist nicht abgeschlossen. Ich will immer noch wissen, ob Herr Fradin ein Betrüger ist?“

Delporte antwortet:

„Ich weiß es nicht, ob Herr Fradin ein Betrüger ist, oder nicht! ( Arnaud entweicht ein lautes Ahhh)
Ich weiß es nicht. Aber mein Herr, ich denke nicht.“

Arnaud macht wieder Ahhhh und fragt:

„Schön! Glauben Sie, dass Ihre Kollegen auch davon überzeugt sind?“

Delporte:

„Mein Herr, die meisten meiner Kollegen, haben etwas anderes zu tun.“

Arnaud unterbricht nun wirklich wütend.

„Na also, da haben wir die Antwort die wir seit gut 70 Jahren zu hören bekommen. Wir haben was anders zu tun und ich sage, also nein.“

Der Moderator unterbricht:

„Beruhigen wir uns. Herr Liris, sie möchten etwas dazu sagen?“

Der Historiker Liris:

„Es ist unglaublich, dass es nicht möglich ist, eine Information zur letzten Grabung zu erhalten, die nunmehr seit 10 Jahren zurückgehalten wird.“

Der Moderator geht leider auf diese wichtige Frage nicht ein, wendet sich aber Delporte zu und fragt:

„Glauben Sie nicht, Herr Delporte, das es nun wirklich an der Zeit ist, sich mit Glozel intensiv und absolut seriös von Ihrer Seite aus zu beschäftigen?“

Delport ( zappelt hin und her):

„Nun ja, ich stelle mir vor, zu dem was passiert ist, auf diesem Totenfeld, die Grabungen, also die einen taten dies, die anderen taten das, also alle Menschen die da waren, waren ehrenwerte Personen, ich bin mir nicht sicher, im Gegenteil, und aktuell zu diesem Totenfeld, wir sind nicht sicher, wo wurde gegraben, wo wurde nicht gegraben, wie ich schon sagte, es ist ein Schlachtfeld.“

Der Moderator wirft ein:

„Aber genau so wie Sie es sagen, ist es da nicht an der Zeit wieder zu graben und zwar streng nach den wissenschaftlichen Regeln?“

Delporte:

„Nein, nein“

Arnaud unterbricht wieder sichtlich erregt:

„Aber das wurde doch schon getan und wie ich schon sagte, man will nichts mehr davon hören. Es ist jetzt 10 Jahre her, und ich bestehe darauf dies noch einmal aufzuwerfen, das die Grabungen von Wissenschaftlern, die ich sehr schätze, abgeschlossen wurden.

Warum veröffentlicht man die Resultate nicht?

Es wurde uns gesagt, wir können nicht und deshalb sind diese Herrn heute auch nicht hier. ( er meint in der Sendung) Wir können nicht kommen und wir können nichts dazu sagen, denn wir haben den Beweis, das Glozel nicht authentisch ist.

Also diesen Beweis will ich sehen.

Ich fordere ihn ein, im Namen des französischen Volkes!“

Delporte sitzt einfach nur da und schweigt!

Eben das Schweigen um Glozel, womit die Sendung beendet war!


Rechte und Quelle: Matthias Härtel